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Naturvielfalt Tage Kleinwalsertal
Die „Naturvielfalt Tage Kleinwalsertal“ feiern in diesem Sommer vom 1. Ju...

Naturaufnahme des Monats
Juli 2021

Ohne Graben oder Bohren in den Untergrund schauen...

So beschreibt Prof. Tim Bechtel aus den USA die Wissenschaft der Geophysik. Er und der Hydrogeologe Prof. Nico Goldscheider aus Karlsruhe waren im Kleinwalsertal und haben zwei höchst interessante Plätze geophysikalisch untersucht. Wir durften die beiden Wissenschaftler begleiten und einen spannenden Tag erleben.

Prof. Nico Goldscheider hat für den Landschaftsschutz Kleinwalsertal dankenswerterweise diesen Kurzbericht verfasst:

Geophysikalische Erkundung von zwei alpinen Mooren

Das Kleinwalsertal ist reich an Naturwundern. Zu den weniger bekannten Kleinoden zählen das Moor am Windecksattel (1751 m) und der etwa 300 m südwestlich gelegene Torsee (1780 m). Diese beiden Feuchtgebiete nördlich der Gottesackerwände sind wissenschaftlich interessant, weil sie nahe beinander und fast auf gleicher Höhe liegen und daher auch identische klimatische Bedingungen aufweisen. Aufgrund der unterschiedlichen Geologie und Geländeformen sind sie aber hydrologisch und ökologisch verschieden: Das Windecksattelmoor ist ein Hochmoor, der Torsee ein Niedermoor.

Hochmoore werden von Niederschlägen gespeist, während Niedermoore seitliche Zuflüsse aus dem Grundwasser oder von angrenzenden Hängen erhalten. Daher sind Hochmoore nährstoffarm und die Vegetation ist karg, während Niedermoore nährstoffreicher sind.

Am 23.11.14 haben wir die beiden Moore geophysikalisch untersucht, unterstützt von Klaus Kessler und Karl Keßler vom Landschaftsschutz Kleinwalsertal. Tim Bechtel beschreibt Geophysik als „die Wissenschaft, ohne Graben oder Bohren in den Untergrund zu sehen“. In beiden Mooren wurden geoelektrische Sondierungen durchgeführt. Dabei wird an zwei Elektroden elektrischer Strom in den Boden geleitet und an zwei anderen Elektroden die Spannung gemessen. Durch Erhöhung des Elektrodenabstands kann ein Tiefenprofil der elektrischen Leitfähigkeiten gemessen werden, das sich in ein geologisches Tiefenprofil umrechnen lässt.

Die Profile zeigen klare Unterschiede: Am Windecksattel ist eine oberflächennahe Schicht mit einer geringen elektrischen Leitfähigkeit zu erkennen, was auf niedrige Nährstoffgehalte zurückzuführen ist, während am Torsee höhere Leitfähigkeiten gemessen wurden. So konnten wir auch zeigen, dass dieses leicht tragbare geophysikalische Messgerät im alpinen Gelände einsetzbar ist und sich zur zerstörungsfreien Untersuchung empfindlicher Feuchtgebiete eignet.